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Die Chronik der Gustav-Adolf-Kirche

Gründung Gustav-Adolf- Kirche

Lassen Sie uns im 19. Jahrhundert beginnen. Die Zahl der evangelischen Christen veränderte sich im 19. Jahrhundert nur unwesentlich. So weist die Statistik im Jahre 1866 in Ober-Roden 28 Evangelische und 5 in Messenhausen aus. 1871 waren in Ober-Roden 27 und in Messenhausen 7 Evangelische wohnhaft.

Ein Ereignis hat gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Verhältnisse in dieser Gegend und in der Evangelischen Kirchengemeinde schlagartig verändert. Diese Veränderungen wurden durch den Bau der Eisenbahn bewirkt. Im Jahre 1896 erfolgte die Inbetriebnahme der Bahnlinien von Offenbach und von Sprendlingen nach Ober-Roden. So wurde ab 1896 Ober-Roden zu einem Bahnknotenpunkt mit einem großen Bedarf an Eisenbahnpersonal. Da diese Eisenbahnbediensteten vorwiegend evangelisch waren, die nach Ober-Roden nun versetzt wurden, vergrößerte sich mit einem Male die Schar der evangelischen Christen im Ort sehr stark. Im Jahre 1900 gab es in Ober-Roden 128 und in Messenhausen 5 Evangelische. Und die Gemeinde wuchs weiter. Im Jahre 1925 gab es unter den 3049 Einwohnern von Ober-Roden 152 Evangelische. Es wurde hier zweimal im Monat Gottesdienst gehalten. Unter diesen Umständen wurde der Wunsch nach einer eigenen Kirche, und sei sie noch so klein, immer drängender und stärker.

Das Grundstück – der erste Spatenstich

Im Januar 1922 war es dem Kirchenvorstand gelungen, ein Grundstück von rund 2500 m2 als Kirchenbauplatz zu kaufen. Das Gelände kostete 20.000 M, wozu noch etwa 1.800 M Steuern, Gerichtskosten usw. kommen. Nun war man bemüht, die Kirchenbaugelder zu beschaffen.

Doch die evangelische Kirchengemeinde blieb nicht von Rückschlägen verschont. Das angesammelte Geld im Kirchenbaufonds verfiel bei der Inflation. Aber dennoch wurde das Ziel, eine eigene Kirche zu errichten, nicht aufgegeben. So opferten die Gemeindemitglieder alle selbst, fuhren mit Sammellisten in viele Ortschaften der Umgebung und ließen nicht locker, bis ihr Ziel in greifbare Nähe rückte. Ende 1927 belohnte der Hessische Hauptverein der Gustav-Adolf-Stiftung diese unermüdliche Anstrengung der evangelischen Gemeinde zu Ober-Roden und sagte eine größere Geldunterstützung zu. Nun konnte man an die Durchführung dieses so lange gehegten Wunsches herangehen.

Am 7. Mai 1928 war es dann endlich soweit. In einer kleinen Feier wurde früh in Anwesenheit zahlreicher Gemeindeglieder für die neue evangelische Kirche in Ober-Roden der erste Spatenstich vollzogen. Vier Wochen später, am 3. Juni 1928, am Sonntag Trinitatis, fand nachmittags die Grundsteinlegung mit einer eindrucksvollen Feierstunde statt. Aus der näheren und weiteren Umgebung waren viele Hunderte herbeigeströmt, um diesen Festtag mit der kleinen Diasporagemeinde freudig zu begehen.

Die Einholung der Glocken im Jahre 1929

Gerade ein Jahr nach der Grundsteinlegung ihrer Kirche, nämlich am Sonntag, dem 9. Juni 1929, holte die Evangelische Gemeinde Ober-Roden ihre drei neuen Glocken noch vor Einweihung der Kirche vom Bahnhof ab und brachte sie in einem festlichen Zug zum Kirchplatz, wo unter Mitwirkung des Sprendlinger Posaunenchores eine schlichte Feier gehalten wurde. Tags darauf wurden die Glocken im Turm untergebracht. Abends um 7 Uhr fand das erste Probeläuten statt. In gespannter Erwartung

waren viele Gemeindeglieder und auch Andersgläubige versammelt. Der helle, freudige und melodische Klang machte tiefen Eindruck auf alle.

Die Glocken waren eine Spende der Gustav-Adolf-Frauenvereine. Durch die Verbindung mit diesen Vereinen entstand dann auch in Ober-Roden eine solche Gruppe von Frauen. Gegossen waren die Glocken in der Glockengießerei F. W. Rincker in Sinn im Dillkreis. Gewicht der Glocken: 332 kg, 197 kg, 153 kg. Auf der großen Glocke stand zu lesen:

Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Gestiftet bin ich mit den Schwestern mein durch Frauen vom Gustav-Adolf-Verein. Unser Dank soll in Erz gegossen sein.

Auf der mittleren Glocke war zu lesen:

Kommt, denn es ist alles bereit!

Die kleine Glocke trug die Inschrift:

Haltet an am Gebet!

Diese Glocken erklangen in den Schlagtönen c, es, f von dem etwa 28 Meter hohen Kirchturm.

 

Die Einweihung der Gustav-Adolf-Kirche in Ober-Roden 1929

 Sonntag, dem 18. August 1929, war es dann soweit, dass die Kirche eingeweiht werden konnte. Und da sie mit großer Unterstützung der Gustav-Adolf-Stiftung gebaut worden war, erhielt sie den Namen "Gustav-Adolf-Kirche".

Das Gustav-Adolf-Werk der Evangelischen Kirche ist 1832 entstanden. Diese Stiftung ist nach dem im Jahre 1632 im 30jährigen Krieg gefallenen Schwedenkönig benannt. Sie unterstützt bis heute die evangelischen Gemeinden dort, wo sie eine Minderheit sind, gemäß dem apostolischen Wort: "Lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen." (Gal. 6,10)

 

Im zweiten Weltkrieg

Wie durch ein Wunder blieb das Gotteshaus in Ober-Roden bei einem schweren Bombenangriff verschont. Nur das große Fenster über dem Eingang und die meisten der Seitenfenster wurden zerstört. Die drei Glocken aber waren da schon abgeholt und eingeschmolzen.

 

Glockenfest der Evangelischen Kirchengemeinde am 15. März 1953

"Großzügige Spenden von evangelischen und katholischen Christen haben es ermöglicht, daß 1953 neue Glocken, wiederum auf das Te-deum-Motiv (c - es - f) gestimmt, von der Firma Rincker in Sinn gekauft werden konnten.

 

Die große Glocke (741 mm , 219 kg) trägt die Inschriften:

Ach bleib mit deiner Gnade Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit

die mittlere Glocke (620 mm , 133,5 kg):

Danket dem Herrn Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark

die kleine Glocke (557 mm , 91,5 kg):

Allein Gott in der Höh sei Ehr

Mit dem ersten Läuten wurde wieder ein großes Fest verbunden, bei dem auch der Posaunenchor von Dietzenbach, der Kirchenchor von Dudenhofen und die örtlichen Musik- und Gesangvereine mitwirkten. Von dem Überschuss der Glockensammlung wurde der Grundstock für den Bau eines Pfarrhauses gelegt.

 

Das Pfarrhaus wird gebaut 1953 - 1954

Kaum hingen die Glocken im Turm und die Abrechnung war abgeschlossen, so wurde schon wieder ein neues Projekt in Angriff genommen. Die Kirche hier und der Pfarrer dort irgendwo in einer Mietwohnung im Ort, das war auf die Dauer kein erträglicher Zustand. Unverzüglich wurde mit der Planung des Baues eines Pfarrhauses begonnen. In der Sitzung am 20. Mai war dann Architekt Reichard aus Offenbach eingeladen, um mit dem Kirchenvorstand das Bauvorhaben zu erörtern. Er riet dazu, das Pfarrhaus gesondert zu bauen. Ein Gemeindesaal mit Kindergarten sollte dann später folgen. Der Kirchenvorstand ließ sich überzeugen und schloss sich dem Vorschlag des Architekten Reichard an.

Man begann sofort mit der Verwirklichung des Vorhabens und errichtete noch in gleicher Sitzung einen Baufond. Es wurde beschlossen, dass der Überschuss aus der Glockensammlung die erste Ein- lage sein sollte. Sie betrug 2085,41 DM. Dazu kam am 26. März 1954 noch der Überschuss aus dem Haushalt des Jahres 1952 in Höhe 360,48 DM.

Im September 1953 war bereits der Auftrag für den Rohbau des Pfarrhauses erteilt worden. Die Baugrube wurde mit etlichen Helfern, auch Konfirmanden, in Eigenleistung ausgehoben. Man war bemüht gewesen, mit den Bauarbeiten bis zum 25jährigen Kirchenjubiläum fertig zu sein. Doch dieser Wunsch erfüllte sich nicht ganz. Dennoch wurde das neue Pfarrhaus, an dem noch etwa drei Wochen zu arbeiten war, beim Kirchenjubiläum eingeweiht und der Schlüssel übergeben. Allerdings fehlte noch die Heizung, weil dafür kein Geld vorhanden war. Doch die inzwischen fünfköpfige Pfarrfamilie drängte auf Einzug. Die Finanzierung des Pfarrhausneubaues erfolgte mit 22.000 DM in erster Linie durch die Landeskirche. Die politische Gemeinde Ober-Roden gewährte ein Darlehen von 2.000 DM und das Gustav-Adolf-Werk eines von 1.500 DM.

 

Ober-Roden soll selbständige Pfarrei werden

Im August 1962 wurde ein Antrag an die Landeskirche beschlossen, die Kirchengemeinde Ober- Roden mit Waldacker und Messenhausen sowie den Filialgemeinden Eppertshausen, Nieder-Roden und Rollwald solle selbständige Pfarrei werden. Begründung: Die Pfarrei umfasst nach dem Stand vom 31. Dezember 1961 rund 2500 evangelische Christen, davon in Ober-Roden, Waldacker und Messenhausen 1.168, in Eppertshausen 430, in Nieder-Roden 421 und in Rollwald 465. Die Gemeinde wächst weiterhin durch den Bau großer Wohnblocks. Das Ziel wurde erreicht. Am 1. April 1963 wurde der Kirchengemeinde Ober-Roden eine selbständige Pfarrstelle zuerkannt.

 

Außen- und Innenrenovierung der Gustav-Adolf-Kirche anlässlich des 50jährigen Jubiläums

Bei der Außenrenovierung war man darauf bedacht, die ursprüngliche Bruchsteinfassade sichtbar zu erhalten. Um das zu erreichen, mussten zerbröckelnde Steine ausgetauscht und die ganze Außenfront der Kirche neu verfugt werden. Auch die Schieferdeckung des Daches musste stellenweise erneuert werden. Regenrinnen und Fallrohre waren ebenfalls schadhaft und wurden ersetzt. Der Eingang wurde neu gestaltet, der unschöne Windfang verschwand. Die vom Bildhauer Friedrich Höfer aus Reichelsheim aus Eichenholz geschnitzten Füllungen für die neue Kirchentür verdienen neben Lesepult und Taufbecken besondere Erwähnung. Die im Krieg zum Teil zerstörten Fenster wurden in ihrer ursprünglichen Farbgestaltung von der Glasmalerei Robert Münch aus Groß- Umstadt neu verglast. Die Außenrenovierung wurde im November 1977 abgeschlossen. Alle Renovierungsarbeiten konnten im Mai 1979, rechtzeitig zu den geplanten Feierlichkeiten zum 50jährigen Kirchenjubiläum, abgeschlossen werden.

Auszug aus „Chronik der Ev. Kirche Ober-Roden“

Herausgeber Evangelische Kirchengemeinde Ober-Roden © Der Kirchenvorstand

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